Als Mutter Gaia sichtbar wurde

Ein Märchen über Mütter, Söhne, Aufbruch und Rückkehr.

Es lebte einmal eine Mutter mit ihren Söhnen in einem Haus am Land.  Sie verbrachten Zeit im Garten und spazierten auch gerne über die Felder hinter dem Haus.

Eines Tages packten die beiden Söhne ihren Rucksack:

„Ich will mein Leben beginnen und arbeiten. Ich will viel Geld verdienen. Hier kann ich das nicht. Also gehe ich mit dem Kaufmann mit. Er kennt sich aus. Von ihm möchte ich lernen“, sprach der ältere Sohn, Konrad. Und der jüngere, Hagen, nickte zustimmend.

Die Mutter Iris, so hieß sie, weinte bitterlich. Denn sie hatte nichts Gutes über diesen Kaufmann gehört. Er soll andere um ihr Geld gebracht haben, so erzählte man sich im Dorf.

Konrad wollte aber davon nichts hören. „Du nimmst mich nicht ernst,“ warf er ihr vor. Und der jüngere Hagen meinte: „Mach dir keine Sorgen, du kannst uns besuchen kommen.“

Die Mutter, Iris, beugte sich also dem Wunsch der beiden und ließ sie losziehen. Sie umarmte ihre Kinder noch ein letztes Mal und gab ihnen alle Münzen mit, die sie in ihren Taschen finden konnte. Zuvor bereitete sie noch eine Wegzehrung: Brot, Eier, Käse und viel Schokolade. Denn die hält sich gut.

Sie schaute Konrad und Hagen nach, bis sich der letzte Farbfleck, Hagens orangefarbener Hut, in der Ferne auflöste. Sie wischte sich die Tränen von der Wange und begann zu beten. Zu den Engeln und Feen. Sie mögen ihre beiden Kinder beschützen.

Lange Zeit lebte die Mutter alleine im Haus und wartete auf eine Rückkehr. Als schon ein paar Jahre ins Land gezogen waren, packte Iris, die Mutter, ihren Rucksack. Sie gab den Schlüssel zu ihrem Haus einer jungen Familie mit zwei Kindern, die sich sehr freuten, nun auch in der Nähe ihres Großvaters zu leben. Er wohnte nämlich nur ein paar Häuser weiter.

Noch ein Mal drehte sich die Mutter zu ihrem Haus um, verabschiedete sich von ihren Freunden und eilte denselben Weg entlang, auf dem vor all den Jahren ihre beiden Söhne Konrad und Hagen gegangen waren.

Wenn sie an einem Garten vorbeikam, aus dem ihr freundlich zugewunken oder nachgerufen wurde, wohin des schnellen Schrittes, fragte Iris, ob jemand die beiden gesehen hätte. Zuerst konnte sich niemand erinnern. Aber als die Mutter den orangefarbenen Hut von Hagen erwähnte, da gab es den einen oder anderen, der aufschrie. „Oh, ja! Ich wollte ihm den Hut abkaufen“, meinte einer sogar lachend. „Die zwei Brüder. Ja, sie gingen hier entlang.“ Und sie deuteten in die Richtung, in die Iris weiter wandern sollte.

Sie bedankte sich und lief auch die Nacht durch, wenn der Mond ihr den Weg leuchtete.

Und wirklich. Nach vierzig Tagen und vierzig Nächten kam sie an einem Markplatz an und entdeckte in einem Stand den orangefarbenen Hut von Hagen.

Er hängte auf einem Haken und die Mutter Iris ging näher. Plötzlich drehte sich ein junger Mann um. Hagen. Er war blass und verzog keine Miene. Neben ihm stand ein alter Mann. Seinen dunklen Hut tief ins Gesicht gezogen. Sein Bart schon länger nicht gestutzt. Sehr ungepflegt. Da half auch das weiße Hemd nicht. „Hagen?“ sagte die Mutter leise. „Ich bin es, deine Mutter.“ Hagen zischte: „Bei der Kirche hinten, wenn die Glocken läuten.“ Und er deutete mit den Augen, dass sie bloß hier verschwinden sollte. Was die Mutter auch tat.

Sie eilte zur Kirche und setzte sich erschöpft auf die dunkelbraune Bank an der Außenmauer. „Und Konrad? Wo mag er sein?“, dachte sie und versuchte ihn unter den Menschen zu erkennen, die bei ihr vorbeiliefen.

Als die Kirchenglocken endlich läuteten, sprang die Mutter auf und sah in alle Richtungen. Der Marktplatz war inzwischen fast leer geworden.  Kein Hagen weit und breit.

Sie wartete bis in die Nacht hinein. Als der Mond hoch am Himmel stand schlief sie erschöpft ein.

„Mama? Mama? Ich bin es, Hagen.“ Er rüttelte an Iris, seiner Mutter und sie fiel vor Schreck fast von der Bank!

„Da bist du ja, Hagen.“

„Entschuldige, Mama, er hat mich nicht weggehen lassen. Ich musste noch Abendessen richten und den Marktstand aufräumen. Er war mit meinem Umsatz nicht zufrieden. Es läuft gerade gar nicht gut, das Geschäft.“

„Kein Problem. – Aber wo ist Konrad?“

Hagen schüttelt den Kopf. „Der Hans, der alte Kaufmann hat ihn weggeschickt. Mit einem Auftrag. Und er darf erst zurückkehren, wenn er ihn erfüllt hat.“

„Aber was denn für ein Auftrag? Und wohin hat er ihn geschickt?“

„Es gibt weit weg von hier einen über alle Lande hinweg bekannten Markt. Den Naschmarkt. Er muss dort jenen Stand finden, der die besten Oliven an die reichsten Menschen verkauft. Und dann mit ihm ins Geschäft kommen. Erst dann darf er zurückkehren.“

„Aber warum? Warum alleine?“

„Hans, der Kaufmann, hat erzählt, dass wir mit den Oliven am meisten Geld machen könnten. Und weil er selbst alt und gebrechlich ist, hat er Konrad eingeredet, er wäre viel besser geeignet, um dorthin zu reisen. Er hat ihm auch feine Lederschuhe vom Schuster machen lassen. Und ein neues weißes Hemd gekauft. Dann ist Konrad losgezogen.“

„Wie lange ist das her, Hagen? Und wie finde ich den Naschmarkt?“

Hagen senkte den Kopf. „Es ist schon so lange her, dass ich aufgehört habe, die Tage zu zählen.“

„Sag mir wo das ist, und ich reise Konrad nach.“

Hagen nickte.

Plötzlich fiel ein Schatten über die beiden und erst jetzt bemerkten sie, dass Hans, der alte Kaufmann, sich zu ihnen gesellt hatte. Er richtete sein Wort an Hagen: „Verschwende bitte keine Zeit mit deiner dummen Mutter. Wir müssen los.“

Hagen flüsterte: “Mach dir um mich keine Sorgen, Mama. Ich habe Freunde und werde bald von ihm weg gehen können. Wir sehen uns.“ Bevor er losmarschierte, steckte er ihr noch ein Stück Papier zu.

Die Mutter Iris faltet ihre Hände zum Gruß und Hagen verschwand mit Hans, dem Kaufmann.

Als die beiden weg waren, öffnete die Mutter den Zettel. Sie fand eine Skizze. Die Kirche, ein paar Wege, Berge und Flüsse, und ganz oben rechts stand in der Handschrift von Hagen „Naschmarkt“.

Die Mutter schloss die Augen, seufzte ein Mal tief und marschierte los.

Nach drei Tagen und drei Nächten hörte sie von der Ferne lautes Rufen, wiehernde Pferde, klappernde Hufe und Marktschreier. „Frische Äpfel, frische Äpfel, – nur heute!“ Ihre Schritte wurden immer größer und schneller. „Konrad“ flüsterte sie immer wieder vor sich hin.

Und fast wäre sie an ihm vorbeigelaufen, als sie an einem großen Baum einen jungen Mann sitzen sah. Sie lief zu ihm. „Konrad?“

Ein blasses, fast weißes Gesicht und traurige Augen, blickten ihr entgegen. „Mama. Ich schaffe es nicht. Ich muss da runter gehen zum Olivenstand und mit dem verhandeln.“

„Als Erstes musst du mal was essen. Konrad. Wie lange sitzt du denn schon hier?“

„Weiß ich nicht.“ Die Mutter berührte seine Hände, um ihm aufzuhelfen. „Die sind ganz kalt, Konrad.“ Dass seine Hose komplett schmutzig war und schon ein paar Löcher hatte, ein besonders großes am rechten Knie, erwähnte sie nicht.

Auch sein Hemd war nicht mehr weiß, sondern fast braun. Die Lederschuhe hatten sich gut gehalten.

Iris half ihrem Sohn Konrad auf und ging gemeinsam mit ihm Richtung Markt. „Zuerst einmal essen wir etwas“. Doch Konrad ging sehr langsam und musste sich immer wieder ausruhen.

Erst in der Abenddämmerung als schon die ersten Pferde für den Abtransport der Marktstände eingespannt wurden, erreichten die beiden den Marktplatz.

Ein großes Schild mit einer Olive darauf verriet den beiden den Weg.

„Haha, so weit bist du hierhergekommen, um mir das zu sagen? Hans, der alte Kaufmann. Ja. Ja. Der muss selbst hierherkommen. Schließlich habe ich noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen. Hahaha“, lachte der dicke wohl genährte Olivenbauer mit der grünen Schürze.

„Siehst du? Ich bin zu nichts gut. Deshalb muss ich auf der Straße leben“, flüsterte Konrad seiner Mutter zu.

„Ich kann nicht zurück ohne ein Ergebnis. Das hat er mir angedroht.“

„Du musst nicht zurück, Konrad“

„Oh doch, er hat all das Geld, was ich schon verdient habe. Mit ihm. Ich bin jahrelang am Marktstand gestanden.“

Die Mutter schüttelte den Kopf und seufzte: „Dann werden wir halt kreativ. Es fällt uns schon etwas ein!“

Der Olivenbauer winkte und sagte: „Ich bin morgen wieder da. Hier, ein Stück Brot und meine restlichen Oliven von heute. Ihr seht verhungert aus. Und wenn ihr übernachten wollt, da drüben ist das Gasthaus. Die haben sicher ein Zimmer für euch. Müsst halt ein bisserl in der Küche helfen, wenn ihr nicht zahlen könnt.“

Der dicke Kaufmann zeigte nach hinten zu einem kleinen alten Haus. Drehte sich um und lachte „Hahaha, der Hans!“

Konrad nahm eine Olive und putzte sie sorgfältig mit einem Finger, bevor er sie in den Mund schob.

Es vergingen einige Tage. Konrad weigerte sich zum alten Kaufmann Hans zurück zu kehren. Schließlich hatte er seinen Auftrag noch nicht erfüllt.

Als Konrad wieder einmal mit seiner Mutter vor dem Olivenstand saß und überlegte, schrie der Olivenbauer zu ihnen hinüber: „Er hatte damals die Oliven verkauft und mir meinen Anteil nie gegeben. Ist einfach damit davon galoppiert.“

„Siehst du, Konrad“, sprach die Mutter zu ihrem Sohn.

„Er wird dir deinen Anteil vielleicht auch nie geben.“

„Oh doch, er sagt immer, dass er ohne mich gar nichts weiter bringt. Er braucht mich. Der wird mir meinen Anteil geben. Ich muss nur einen Weg finden den Auftrag zu erfüllen.“

So ging das einige Tage, bis die Mutter nachts zum Brunnen ging. Sie konnte nicht schlafen und sah die vielen Sterne am Himmel „Ach, ihr Engel und Feen. Wo seid ihr alle? Ich brauche euch. Ich weiß keinen Rat mehr.“

Sie sah in den Brunnen und wollte mit dem Wasser ihr Gesicht kühlen. Doch sie erschrak vor ihrem eigenen Spiegelbild. Ihre Haare zerzaust und ihr Gesicht noch schmaler als sonst. Sie begann zu weinen.

Plötzlich hörte sie jemanden singen:

„Om shri Gaia Ma, Mutter Gaia hör uns an

Om shri Gaia Ma, Mutter Gaia lass dich sehen

Om shri Gaia Ma, Mutter Gaia hör uns flehen“

Iris drehte sich erschrocken um. In dem Moment landete eine Fee vor ihr auf dem Boden. Ihre weißen Flügel bildeten einen hellen Kreis um sie herum. Sie hatte dunkle, lange Haare und war gerade mal halb so groß, wie Iris. Ihr weißes Gewand leuchtete alle paar Sekunden golden auf.

„Sieh nur“, sprach sie mit ihrer reinen Stimme“ Und zeigte hinter Iris zum Brunnen.

Wieder erschrak die Mutter, denn nun saß eine wohlgenährte Frau mit buntem Gewand und langen rotblonden kunstvoll geflochtenen Zöpfen vor ihr und lächelte. Sie hob Mutter Iris auf und setzte sie auf ihren Schoss.

Iris musste lachen. „Ich bin doch kein Kind!“

„Ich bin Mutter Gaia. Jeder hier auf der Erde ist mein Kind!“

„Und ich werde dir jetzt etwas verraten. Konrad wird seinen Weg finden. Ich habe ihm schon länger im Auge. Er saß oft am Baum, an dem du ihn gefunden hattest. Ich bin auch oft dort und habe ihn nachts gewärmt, als er schlief. Ich habe ihn auf den Schoss gehoben und ihn gestreichelt. Du wirst sehen, er wird seinen Weg finden.

Noch kann er nicht alles sehen. Aber er ahnt bereits, dass der Kaufmann ihn auch betrügen wird. Vertraue ihm und lass ihn los. Er weiß, wo er dich finden kann.“

Iris schaute Mutter Gaia mit großen Augen an und dachte bei sich: „Das kann ich nicht!“

Als könnte Mutter Gaia ihre Gedanken hören: „Du kannst, und du musst! Du musst für dich selbst sorgen. Sieh dich an. All deine Mühe ist vergeblich und du bist müde.“

Mutter Gaia fing an zu singen und Iris zu wiegen, wie ein Baby.

Als die Sonne aufging, war Mutter Gaia weg. Iris lag im Gras, zugedeckt mit dem weißen Schleier der Fee.

Sie sprang auf, rannte zu Konrad ins Gasthaus und da kam er ihr schon entgegen:

„Mama, ich weiß jetzt was ich tun muss.“

Er umarmte seine Mutter und zog los.

„Hat er das Hemd gewaschen?“ dachte sie, als sie ihn fortlaufen sah, nun schon zum zweiten Mal. „Gaia“, seufzte sie „bleib bloß in seiner Nähe.“

Bevor sich Iris aufmachte, um zurückzukehren zu Hagen, schlief sie noch eine Nacht im Gasthaus um zu Kräften zu kommen und ihr Gewand zu waschen. Und ihre Haare.

Dann machte auch sie sich auf dem Weg.

Als sie am kleinen Marktplatz ankam, saß dort der alte Kaufmann Hans allein in seinem Marktstand. Weder Hagen, noch der orangefarbene Hut waren zu sehen.

„Lass ihn los“ hörte sie Mutter Gaia flüstern. Erschrocken drehte sich die Mutter um, aber sie sah niemanden. Dann musste sie schmunzeln: „Ja, mache ich.“

Und ein letztes Mal machte sie sich auf den Weg. Zurück zu ihrem Haus. Als sie wieder an den Häusern und Gärten vorbeikam, fragten sie die Menschen: „Und? Hast du sie gefunden?“ „Ja“, sagte die Mutter. Manche schauten fragend, andere liefen ihr entgegen, und wollten die ganze Geschichte hören.

Bis zu ihrem Haus begleiteten sie Iris.

Und als sie dort ankamen, erzählte der Großvater der jungen Familie: „Habt ihr es schon gehört? Der junge Mann mit dem orangefarbenen Hut spielt jetzt gerade am Naschmarkt ein Stück von Shakespeare.“

„Hagen“, schrie einer und fuchtelte mit seinem Hut. Dieser, und auch andere, waren orangefarben!

„Und der Bruder? Der Bruder?“

„Mhm, Konrad? Es hat sich Kund getan, dass er dem König von England Oliven verkauft hatte.“

Ein paar Männer klatschten in ihre Hände oder in die von anderen. Und die Frauen fingen an ihre bunten Röcke zu schwingen und zu jubeln.

Während dessen flüsterte die Mutter ganz leise „Danke, Gaia!“

„Komm herein, Iris. Du kannst gerne hier wohnen, bis du etwas Neues gefunden hast!“

Iris zögerte: „Danke. Für eine Nacht. Danach gehe ich meinen Weg und finde mir ein ruhiges Plätzchen. Schließlich muss ich diese Reise aufschreiben. Für all jene, die nach meinen Söhnen und dem orangefarbenen Hut fragen.“

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann spielt Hagen auf den größten Bühnen der Welt und Konrad versorgt die Reichsten mit den besten Oliven und auch anderen Delikatessen.

Und Mutter Iris? Sie schreibt noch immer Märchen und Geschichten für Jung und Alt und für ihre Nachbarn im Dorf.

Und manchmal kommt Mutter Gaia, nimmt sie auf den Schoß und wiegt sie wie ein Baby in den Schlaf.

Nachwort

Wie dieses Märchen von der Mutter, entstanden ist die ihre Söhne gehen lassen muss, sich selbst auf den Weg macht und zuerst den einen Sohn, dann den anderen Sohn wieder findet.

Es ist Mutter Gaia, die für alle da ist und so lässt die Mutter ihren Sohn ein zweiten Mal los. Aber dieses Mal richtig. Sie kehrt zufrieden zurück:
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Inspiriert von den Überlieferungen der Mutter Gaia, versuchte ich selbst Kontakt zu ihr herzustellen. Ich vermisste so sehr die weiblichen Anteile in mir. Ich wusste nicht, wann sie mir abhandengekommen waren, oder ob ich jemals welche hatte.

Ich fühlte, dass etwas fehlt. Und ich fühlte, dass es etwas mit der Mutter zu tun hatte.

Es ist mir zwar keine Fee erschienen, wie in diesem Märchen, aber wunderbare Frauen.

Besonders eine unter ihnen, konnte den Kontakt zu Mutter Erde, zu Mutter Gaia, herstellen. Also ließ ich mich darauf ein, mit diesen Frauen ein wenig mitzureisen.

Wir haben vor allem darüber gesprochen, was wir nicht mehr mit uns mit schleppen wollen. Was wir loslassen und was wir neu entdecken wollen. Wir haben geweint, uns unsere Sorgen aber auch unsere Wünsche verraten, und gelacht.

Wir haben unsere Ängste geteilt und unsere Geschichten erzählt. Wir haben uns Zeit gegeben zu ruhen und uns ermuntert Gutes zu tun. Und zwar Gutes für uns. Denn das gibt uns Energie, uns selbst zu verwirklichen. Anstatt zu tun, wovon wir glauben, dass die anderen es von uns so wollen.

Es war eine Reise durch unseren Körper, unseren Geist und unsere Seele. Wir waren oft so müde, als hätten wir einen Berg erklommen. Doch am Ende haben wir gestrahlt.

„Dankbarkeit einatmen, Liebe ausatmen.“

Mutter Gaia war immer unter uns. Denn eine unter diesen Frauen konnte sie herbeirufen.

So wie die Fee im Märchen.
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Erdenkind du bist geliebt
Geliebt von Anfang an
An diesem Tage wärm ich dich
Dich, Körper, Geist und Seele
Selig wirst du gehen hinaus
Hinaus in diese Welt!

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Hast du schon einmal Mutter Gaia getroffen? Oder Märchen von ihr gelesen oder gehört? Vielleicht hast du sogar geschichtlich geforscht?

Erzähle mir von ihr. Ich freue mich über deine Kommentare.

Deine Agnes Andersen


Eine süße frische Brise

In diesem Blogbeitrag geht es um Salat. Und zwar mit einer besonderen Zutat.

Eigentlich war er für das Müsli bestimmt. Ich kaufe ihn sehr selten. Nicht, weil er mir nicht schmecken würde (und auch sehr gesund ist). Sondern weil es Übung erfordert, an die vitaminreichen Kerne heranzukommen. 

Obwohl ich schon viel recherchiert und ausprobiert habe, muss ich trotzdem nachher immer die Küche putzen. Denn die fruchtigen Kerne sind ziemlich gut in der Schale verankert.

Was ich schon probiert habe? Die Kerne lösen, indem ich mit einem Holzlöffel auf die Schale klopfe. Oder ihn wie einen Ball in die Hände nehmen und damit auf auf den Küchentisch stoßen.

Mein erster Versuch hat mich fast zur Verzweiflung getrieben. Meine weiße Küche voller leuchtend roter Tupfen.

Die mit Abstand beste Methode: Die Kerne in kaltem Wasser herauslösen. Dazu braucht man die Frucht samt Schale nur halbieren oder vierteln und in kaltes Wasser legen. Danach ganz entspannt die Kerne von der Schale lösen. Sie sinken auf den Boden, während die Trennhäute an die Oberfläche schwimmen.

Jedenfalls habe ich einen Teil, der für das Müsli bestimmt war, spontan in meinen Salat gegeben: Grüner Salat, Tomaten, Mais, Oliven, Ananasstücke, Feta, – und Granatapfelkerne.

Wie hat es geschmeckt? Wie vermutet, erzeugt der Granatapfel eine frische Note. Ähnlich wie Zitronensaft. Ich würze sehr wenig, nur Salatkräuter.

Und diese eher säuerliche Note des Granatapfelkerns macht ihn frisch und besonders. Und das, obwohl ich nur einen Esslöffel in eine ganze Schüssel gegeben habe.

Was ich an Granatapfel zusätzlich mag? Dass er auch eine süßliche Note hat. Eine süße, frische Brise, Als würde ein kühles Lüftchen durch den Jasmin wehen.

Und besonders gut finde ich, dass er obendrein gesund ist.

Die Frucht der Götter.

Schreiben gegen den Wind

Jeder Schritt gegen den Wind ein kleiner Sieg.

Mit zusammen gepressten Augen kämpfe ich mir den Blick aufs Meer frei.  Und in den Himmel. – Tränen zwingen sich aus meinen Augen.

Ich will es sehen. – Ich will es spüren. – Ich will erkennen:  Ich hebe meine Arme und lehne mich an den Wind.

wellengang

Der tobende Sturm des Vorabends schien so unwirklich, wie das vergangene Leben.

In diesem stand ein Leuchtturm inmitten des aufgewühlten Meeres. Manche der Wellen schienen ihn verschlingen zu wollen.

Nur wenige Kilometer von diesem Leben entfernt, steht auch ein Leuchtturm. Die Sonne verwandelt hier kleine Wellen in tanzende glitzernde Sterne.

 

 

Der Mutter entgegen.

Die Pferde wiehern. In ihren Boxen treten sie unruhig auf der Stelle. Anna läuft über den Hof zum Pferdestall. Ihr blaues Haarband rutscht. Bleibt an ihren dunkelblonden Locken hängen.

Im Stall entdeckt Anna zwei leere Boxen. Das weiße Pferd ist nicht da, und das braune mit dem weißen Fleck auf der Stirn. Es riecht nach frischem Heu.

Anna geht in eine der leeren Boxen. Vorsichtig, um den Pferdeäpfeln auszuweichen. Füllt die Pferdetränke mit Wasser und legt ihre Hände hinein.

Plötzlich erschrickt sie. Jemand bindet ihr blaues Haarband wieder zusammen. Doch dann sind auch schon klappernde Hufe zu hören. Wiehern und Schnaufen werden lauter. Und die Stimme der Mutter.

Anna hört noch, wie sie vom Pferd absteigt und am Waschplatz vor dem Stall den quietschenden Wasserhahn aufdreht.

maternity forever

I remember feeling you inside my body.
I remember praying for a good life for you.
I hoped to be a good mum.
I hoped to understand you every time.
I hoped you trust in me.

Forever!

Then, there came a day, you shaked your head.
You left our home.

I was crying in an empty house.
I feared to have lost my child.

Much days and dark nights later, there came a message from you.
A strange message. – This person was different!

The child, I remembered in my heart, was gone!

I remembered, feeling you inside my body.
I remembered your birth.
I remembered my child.

I started to look for you.
In every corner of my house I looked for you.

Inside my heart I found you.
Inside my dreams I saw you.

I started to pray, this person will come back.
From inside my heart back in our home.

Much days and dark nights later, there came a message from you:
I have to look from another side.
And there happens a miracle:

The same lights were new.
The same house was new.
The same friends were new.
The same thoughts were new.
Even the same memories were new.

I started a new life in the same life.

I feel you inside my heart!
I pray for a good life for you.
I promise to be a good mum.
I promise to understand differences.
I trust in you!

Forever!

tender-hearted

When you finally put that betrayal behind you,

your eyes will show new light colours.

You will be illuminated.

Just as your being illuminates me,

since the day I heard your voice

since the day I saw your face.

since the day I felt your art.

Since that day!

The photos you shot,

the letters you wrote,

all the missunderstandings,

that trauma –

still makes you cry.

But you will find freedom.

You will have healed your inner child

and embrace your inner queen.

You are curious!

Rejoice in your growing awareness

that no workshop intensive in the world

is better than your own becoming.

Coming to be!

You promise to

Love

Honor

Cherish

Yourself

From this day forward!

and the fog lifted

I look at your feet and see they walked the same streets like mine.

I look at your hairs and I see them rumpled and lost.

With my fingers I comb my own hair and see some of them lost in my hand.

I look in your eyes and I see all the tears,

which have the same colours like mine.

The same taste.

I look in your heart and I see your decision was love!

Not money or some condition behind.

You loved!

You would have gone anywhere.

I look in my heart, and I start to cry.

My body fall down and I want to break.

I wish to dissapear.

I wish to die.

But then I feel the beat of my heart.

The same beat like yours.

I start crying.

I feel the colours of you.

I understand your art.

I see your light in my heart.

I feel it in my total body.

My body almost explodes.

And I feel an angel taking my hand.

Whispering, to get up.

And to listen:

And then, I hear you crying.

I hear your steps.

I open my eyes.

I look in your face.

And I see myself.

inspired by christine

Tee und Kekse

Der Boden ist weich. Das Schneetreiben der letzten Tage gibt jedem Schritt ein federndes, sanftes Gefühl. Neben ihr geht er! Rechts neben ihr. Vertraut. Er denkt nach. Hin und wieder hebt er seinen Kopf und schiebt seine Brille nach hinten. Eine dunkelbraune mit dicken Gläsern. Sie passt sich seinem Schritt an. Wartet auf seine warme, weiche Stimme.

„Wie geht es dir?“ Sie: „Ja, … gut!“ Schließlich geht es ihr gut. Knisternder Waldboden, frische Luft. Bäume, dazwischen Spalten, durch die Licht dringt. Ahnung von einem Ziel. Irgendwohin muss der Weg führen. Ein Waldweg mit ihm führt immer zu einem Ziel. Einer Einkehr, einem Haus, in dem ein Freund wohnt. Die zwanzig Jahre dazwischen? Ohne Waldweg? Ohne ihm? Kaum spürbar.

Er: „Wie geht es deinen Kindern?“ Sie: „Ja, auch gut. Sie sind praktisch erwachsen. Leben Welt auf so spannende Art, dass ich selbst kaum mit komme.“

Dann gehen sie wieder eine Weile, atmen Luft. Irgendwo links auf ihrer Waldseite raschelt etwas. Ein Reh, das im Dickicht verschwindet. Die Baumreihen werden immer dünner und am Wegesrand liegen abgeholzte Baumstämme bereit. Es riecht nach Harz. Sie steigt auf einen der Baumstämme und balanciert drüber. Er lächelt mit seinen Augen. Seine Hände verschränkt er im Rücken.

„Dort unten, am Ende dieser Kurve, biegen wir dann hinein, und hinter der Mulde siehst du dann das Kircherl. Dort soll ich nächste Woche eine Lesung halten. Es wird nicht lange dauern. Bestimmt gibt es Tee und Kekse für dich. Und dann gehen wir auch wieder zurück.“

Noch weiß sie nicht, wer sie empfangen wird. Nach ein paar Schritten sieht sie schon ein kleines, weißes schlichtes Kircherl auf einer leicht verschneiten Anhöhe stehen. Spitzer Kirchturm, schwarzes Dach, bunte Fenster, durch die spärliches Licht dringt. Zwischen den beiden, Friede. Stille. Zwanzig Jahre einfach weggewischt. Ihre Herzen schlagen noch immer, Ihre Seelen erkennen: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ (Ludwig Wittgenstein)